Ondřej Cink (Cube) und Tereza Tvarůžková (Česká spořitelna-Accolade) haben den Grand Prix Fichtelgebirge im tschechischen Aš (deutsch: Asch) und damit den vierten Lauf der German Cycling Mountainbike-Bundesliga gewonnen. Die zweiten Plätze belegten mit Andrea Kravanja (Gaplast) und Paul Irmscher (Mounty Altenberg) jeweils zwei junge Deutsche.
Das erste Rennen der MTB-Bundesliga im Ausland wurde zur Hitzeschlacht am Haimberg. „Wir haben versucht, die Rennzeit aufgrund der hohen Temperaturen im Rahmen der von der UCI vorgegebenen Dauer möglichst kurz zu halten“, so der britische Chefkommissär Adrian Walls. Dazu ordnete er an, dass über Sprinkleranlagen, die auf der größtenteils durch schattigen Wald führenden Strecke verteilt waren, die Sportler sich während des Wettkampfs abkühlen konnten: „Wir haben auch die Feedzone verlängern lassen, damit die Sportler mehr Flüssigkeit zu sich nehmen können.“
Die tschechischen Protagonisten setzten sich in den Elite-Klassen dennoch bereits früh ab und fuhren jeweils ungefährdete Siege ein. Doch hinter den siegreichen Tschechen taten sich große Lücken auf: so erreichte die Zweitplatzierte Andrea Kravanja das Ziel erst 5:04 Minuten hinter Tvarůžková, die Dritte Annemijn van Limpt (Stappenbelt-Specialized) aus den Niederlanden hatte sogar 7:55 Minuten Rückstand. Bei den Männern waren die Abstände nicht ganz so groß: der 23-jährige Paul Irmscher lag im Ziel 1:55 Minuten zurück, Tobias Steinhart (Dowe-Simplon), der Sieger des GC MTB-Bundesliga-Rennens von Gedern, hatte 2:31 Minuten Rückstand. „Ich bin aber auch nicht Vollgas gefahren“, räumte Cink nach dem Rennen ein. „Ich habe das Rennen meines Hauptsponsors gut in mein Training integrieren können. Nur die ersten beiden der knapp sieben Runden bin ich voll gefahren, danach konnte ich ein bisschen Tempo rausnehmen, sodass ich nie ans Limit gekommen bin, was bei der Hitze sehr wichtig war“, so Cink, der als einziger Weltcup-Profi in Aš am Start war.
Auch für die beiden 23-jährigen besten Deutschen war der Ausflug nach Tschechien Neuland: „Man musste sich die Strecke im Vorfeld sehr genau anschauen“, sagte Kravanja nach dem Rennen. Dennoch machte sie in der ersten Runde einen Fehler und verlor den Anschluss zur späteren Siegerin: „Danach war ich über eine Stunde allein unterwegs.“ Allein bis auf die Fans, die es trotz der Hitze an die Strecke geschafft hatten. Sowohl für sie als auch für Irmscher waren die zweiten Plätze in Aš die besten Ergebnisse ihrer noch jungen Karrieren: „Seit den Nachwuchssichtungsrennen stand ich nicht mehr auf dem Podium bei einem Bundesliga-Rennen“, freute sich der Altenberger über seinen zweiten Platz.
Zwar war mit dem Niederländer Kas van Geest (Blast) ein U23-Fahrer schneller, doch das tat der Freude über den zweiten Platz keinen Abbruch. Van Geest siegte bei den Espoirs vor dem Tschechen Václav Naxera (Expres CZ) und dem Schweinfurter Martin Schirmer (Edelsten). In der U23-Klasse der Frauen gab es ein komplett deutsches Podium: Klara Müller (Riese & Müller) aus dem Saarland siegte mit gerade einmal 19,9 Sekunden Vorsprung vor der Schwäbin Patricia Hafer (Stevens) und ihrer Thüringer Teamkollegin Nathalie Kaufmann.
Das Rennen der Junioren erlebte einen niederländischen Doppelsieg: der Niederländischen Meister und Bundesliga-Gesamtführende Cas Timmermans, der vor seinem Cube-Teamkollegen Daan Bakelaar die Ziellinie überquerte, baute damit seinen Vorsprung in der U19-Klasse weiter aus und steht damit schon vor dem Finale in Winterberg als Gesamtsieger fest. Dritter in Aš wurde der Deutsche Julius Klose (Riese & Müller). Bei den Juniorinnen siegte Emily Mehltretter (Ghost Junior Team), die damit die Gesamtführung von Adina Daubner (Singer) übernahm. Sie gewann vor der Tschechin Klotylda Sluková (Dukla Prag) und Rosalie Sporn (Riese & Müller).
Für German Cycling zog der Beauftragte für den Cross-Country-Sport Dieter Pfänder eine positive Bilanz des ersten Rennens der German Cycling MTB-Bundesliga außerhalb der Bundesrepublik: „Wir wurden hier in Aš sehr herzlich willkommen geheißen, wir habe eine tolle Strecke und nette Menschen erlebt: Es war sicherlich kein Fehler, hierher zu kommen. Ich hoffe und wünsche mir, dass Aš auch 2027 wieder mit dabei ist.“
Vor dem letzten Rennwochenende der GC MTB-Bundesliga in Winterberg im Sauerland am 9. August führt in der U23 die Österreicherin Karin Embacher nach ihren beiden Siegen in Obergessertshausen und Heubach weiterhin uneinholbar an, während in bei den U23-Männern das Gesamtergebnis noch völlig offen ist: Der Däne Nikolaj Hougs (Cube Factory Racing) führt mit 23 Punkten vor Benjamin Krüger (Singer) und dem punktgleichen Niederländer Rens van Teunissen Manen (KMC) Nukeproof. Je nach Beteiligung haben aber auch alle anderen Fahrer bis Platz 13 zumindest noch theoretische Chancen, sich in Winterberg zu den Gesamtsiegern der GC MTB-Bundesliga zu krönen.
Ähnlich offen ist auch das Rennen um den Gesamtsieg in der Elite-Klasse der Männer, wo sich auch die U23-Fahrer tummeln. Jan-Lennart Krayer (Stop&Go Marderabwehr) hat als derzeitiger Zweitplatzierter noch die besten Chancen, Hougs den Doppelsieg zu entreißen. Bei den Frauen kann das in Winterberg auch noch der Deutschen Meisterin Nina Graf (Tre-Unbroken) gelingen, Embacher den Doppelsieg in der U23- und Elite-Klasse zu entreißen.
