Mit drei Europameistertiteln sowie einmal Silber und zweimal Bronze war German Cycling (GC) der erfolgreichste Verband bei der Steher- und Derny-EM in Pordenone (Italien). Romy Kasper (Wheel Divas) und Schrittmacher Patrick Wolfrum holten den ersten Steher-Titel bei den Frauen, Luca Harter (Harvestehuder RSV) und André Dippel wurden ebenfalls zum ersten Mal Europameister und im Derny verteidigten Lena-Charlotte Reißner (LKT-Team) und Marcel Möbus ihren Titel.
Derny
Reißner/Möbus setzten sich in einem hart umkämpften Derny-Finale der Frauen über 25 Kilometer im Velodromo Ottavio Bottecchia gegen Martina Alzini/Christian Dagnoni (Italien) durch. Nachdem die Deutschen das Rennen lange angeführt hatten, schoben sich die Italiener im Finale vorbei. Doch auf den letzten Runden griffen Reißner/Möbus noch einmal an und wiederholten ihren Vorjahressieg. „Ich freue mich sehr über den erneuten EM-Titel. Es war ein hartes Rennen, aber der eiserne Wille hat zum Schluss gesiegt“, so Reißner. Die zweite deutsche Starterin, Romy Kasper mit Schrittmacher Florian Podlesch, schied nach einem Defekt aus.
Bei den Männern lagen zunächst Roger Kluge (REMBE | rad-net)/André Dippel vorne, ehe die Titelverteidiger Moritz Augenstein (RSV Irschenberg)/Christian Ertel die Führung übernahmen. Doch dann erlitt auch Augenstein einen Defekt an seinem Rad und kam nach dem Radwechsel nicht mehr richtig in Schwung und fiel hoffnungslos zurück. „Mir sind die Beine durch den Wechsel total eingeschlafen“, bekannte Augenstein. Kluge/Dippel, die zwischenzeitlich auf Rang vier durchgereicht worden waren, sprangen daraufhin in die Bresche und holten nach 30 Kilometern hinter Yoeri Havik/Jos Pronk (Niederlande) und Filip Prokopyszyn/Tim Biemelt (Polen) die Bronzemedaille. „Ich denke, ich habe damit noch das Beste für uns herausholen können“, so Kluge.<p>
Steher
Kasper und Wolfrum schrieben in Pordenone Geschichte. Zum ersten Mal wurde eine Steher-Europameisterschaft für Frauen ausgetragen – und der drückte das deutsche Gespann seinen Stempel auf. Von Position eins in das halbstündige Finale gestartet, schlugen sie ein so hohes Tempo an, dass keine einzige Gegnerin an ihnen vorbeifuhr. Hinter ihnen reihten sich Olivia Schoppe (LKT-Team) und Sven Lohse ein und fuhren, wenngleich sie zwei Runden auf das Sieger-Gespann verloren, genauso souverän zur Silbermedaille. „Nachdem ich auf Rang drei liegend den Defekt im Dernyrennen hatte, bin ich ins Steher-Finale mit etwas Wut im Bauch gestartet. Dort haben wir Startposition eins gezogen und sind das Rennen souverän von vorne gefahren. Mein erster EM-Titel und die erste Steher-Europameisterin überhaupt zu sein, bedeutet mir eine Menge“, sagte Kasper nach dem Rennen.
Im Steher-Finale der Männer über 40 Minuten hatten wenige Runden nach dem Start Viktor Filutas/Eric Schoefs (Ungarn) die Führung übernommen, gefolgt von Harter/Dippel, Robin Rautzenberg (RSV Chemnitz)/Sven Lohse und André Hagen (SSV Heidenau)/Udo Becker. Kurz nach Rennhälfte schoben sich Reinier Honig/Jos Pronk (Niederlande) an Hagen/Becker vorbei. Die Reihenfolge blieb im weiteren Verlauf so bestehen, ehe zwölf ereignisreiche letzte Runden folgten. Da griffen Harter/Dippel mehrmals Filutas/Schoefs an und konnten sie im Kampf um den EM-Titel bezwingen. Unterdessen fuhren Honig/Pronk an Rautzenberg/Lohse und dann auch an Filutas/Schoefs vorbei. Und nachdem Filutas gegen Harter/Dippel so viel Kraft gelassen hatte, konnten zwei Runden vor Schluss auch noch Rautzenberg/Lohse an dem Ungarn vorbeifahren und damit Bronze holen. „Während des Rennens habe ich nicht mehr wirklich an den Titel geglaubt, denn es war echt schnell und hart“, gab Harter nach dem Rennen zu. „Aber als wir Filutas angegriffen haben und über ihm waren, lief es gut. Da wusste ich, dass wir ihn knacken können. Der EM-Titel bedeutet mir echt viel. Letztes Jahr war ich bei meiner ersten EM Dritter, da war der Titel in diesem Jahr das Ziel.“
Auch Mario Vonhof, GC-Beauftragter für Steher und Derny, war mit dem Auftritt seiner Mannschaft äußerst zufrieden: „Die investierte Arbeit aller hat sich ausgezahlt. Alle sind bestmöglich vorbereitet zur EM angereist. Besonders freut mich der Frauen-Titel bei den Stehern durch Romy; aber auch die Titelverteidigung von Lena im Derny sowie der von Luca schwer erkämpfte Titel bei den Stehern waren beeindruckend. Hinter den Erfolgen steht eine geschlossene Mannschaft, die immer zusammengehalten hat.“
