GC startet motiviert und mit Medaillenhoffnungen in die Straßen-WM

Am kommenden Sonntag beginnen in Montreal in Kanada die Straßen-Weltmeisterschaften. Die 32-köpfige Nationalmannschaft von German Cycling (GC) startet motiviert und ambitioniert in die Wettbewerbe, musste aber auch einen Rückschlag hinnehmen.

Der Kurs des Straßenrennens ist zumindest den Männern bereits wohl bekannt, denn auf ihm findet alljährlich das WorldTour-Rennen Grand Prix Cycliste de Montréal statt. Es erwies sich stets als sehr selektiv – und entsprechend könnten sich auch die WM-Rennen – je nach Fahrweise – zu wahren Ausscheidungsfahren entwickeln. Die Zeitfahren finden auf einem eher flachen Kurs statt, lediglich zum Ziel geht es einen Anstieg hinauf.

Elite
German Cycling geht mit einer sehr ausgewogenen Männer-Mannschaft an den Start. „Mit Ausnahme des verletzten Tadej Pogačar ist alles dabei, was Rang und Namen hat“, erklärt Männer-Bundestrainer Jens Zemke. Dennoch will sich sein Team nicht verstecken. Die Titelkämpfe beginnen mit den Zeitfahren. Max Walscheid will dort sein bislang bestes WM-Resultat (11. Platz) unterbieten: „Die Top-Ten wäre ein absolut traumhaftes Ergebnis. Der Kurs liegt ihm, da Power gefragt ist. Mit Jasha Sütterlin haben wir zudem einen starken zweiten Mann“, so Zemke.

Im Straßenrennen setzt die Mannschaft auf Geschlossenheit. Angeführt wird sie von Florian Lipowitz, der nach einer Schlüsselbeinfraktur jedoch erst vor wenigen Tagen ins Renngeschehen zurückkehrte. Mit Nico Denz hat er seinen Teamkollegen an der Seite, der als Edelhelfer schon viele Siege vorbereitet hat. Maximilian Schachmann präsentierte sich bei den WorldTour-Rennen in Kanada zuletzt in guter Form und angriffslustig, Marco Brenner überzeugte in diesem Jahr bereits mit dem Gesamtsieg bei der Tour de Pologne sowie einem Etappensieg bei der Vuelta. Der Deutsche Meister Felix Engelhardt und sein Vorgänger Georg Zimmermann starten ebenfalls motiviert und sind bekannt dafür, Akzente zu setzen. „Wir wollen präsent und im Finale dabei sein. Eine Top-Ten-Platzierung ist unser realistisches Ziel und unser Anspruch“, betont Zemke.

Auch Frauen-Bundestrainer André Korff baut auf eine starke Mannschaft, zu der Paris-Roubaix-Siegerin Franziska Koch und die Gesamtzweite des Giro d’Italia, Antonia Niedermaier, gehören. „Mit den beiden haben wir fürs Zeitfahren zwei heiße Eisen im Feuer. Das Ziel muss eine Medaille sein“, erklärt der Coach selbstbewusst. Auch für das Straßenrennen sieht er gute Chancen, nennt aber keine konkrete Platzierung: „Je nach Rennverlauf haben wir einige Optionen – dazu zählt auch Liane Lippert.“

Zwischen den Zeitfahren und den Straßenrennen steht die Mixed-Staffel der Elite auf dem Programm. Nach mehreren Medaillen – darunter WM-Gold 2021 – ist sie für das deutsche Team ein jährliches Highlight. Die damaligen Weltmeister Nikias Arndt und Max Walscheid bilden 2026 zusammen mit Jasha Sütterlin das Männer-Trio. Bei den Frauen starten Franziska Koch, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind. „Die beiden Dreierteams passen sehr gut zusammen, sind eingespielt und heiß auf den Wettbewerb“, so Zemke. Korff ergänzt: „Wir wollen wieder vorne reinfahren und um die Medaillen kämpfen.“ Zu den Hauptkonkurrenten zählen Italien um Superstar Filippo Ganna, die Schweiz und Frankreich.

U23
In der U23-Klasse der Frauen sei „alles möglich“, ist Korff überzeugt und setzt da vor allem auf Justyna Czapla: „Im Zeitfahren ist es auf jeden Fall das Ziel, mit ihr eine Medaille zu holen. Das Straßenrennen ist schwer berechenbar. Aber Justyna hat schon bei WorldTour-Rennen mehrfach gezeigt, dass sie das Zeug dazu hat, vorne mitzufahren.“

„Wir sind auf der Straße in der Breite optimal aufgestellt. Das sollte ein großes Plus in Richtung Finale des Rennens sein, da wir verschiedene Optionen für eine vordere Platzierung haben werden“, sagt U23-Bundestrainer Ralf Grabsch. Als Ziele für seine U23-Fahrer nennt Grabsch im Einzelzeitfahren die Top-15 und im Straßenrennen die Top-10, liebäugelt aber mit eventuell sogar noch besseren Platzierungen.

U19
Juniorinnen-Bundestrainerin Trixi Worrack rechnet sich ebenfalls Chancen auf ein Spitzenergebnis aus: „Wir haben uns die Top-5 im Zeitfahren oder Straßenrennen als Ziel gesetzt. Im Zeitfahren ist die Chance eventuell etwas größer, wenn an dem Tag alles passt. Im Straßenrennen haben alle vier Mädels das Potenzial, ein solches Resultat zu erzielen. Je nachdem wie sich das Rennen entwickelt, haben wir mit ihnen verschiedene Möglichkeiten.“

Bei den Junioren fällt mit Karl Herzog die vielleicht größte deutsche Hoffnung auf einen WM-Titel aus. Der amtierende U19-Europameister zog sich bei einem schweren Sturz bei einem Rennen in Italien eine Oberschenkelverletzung zu. „Sein Ausfall ist bitter. Er zählte definitiv zu den Favoriten für eine Medaille“, sagt U19-Bundestrainer Marcel Franz. „Karls Genesung hat Vorrang. Die gesamte Mannschaft wünscht ihm eine schnelle Genesung und dass er schnell wieder auf dem Rad sitzt. Trotzdem blicken wir nach vorne und werden unsere Taktik entsprechend anpassen. Ein Top-10-Ergebnis wäre ein Erfolg.“

Die deutschen WM-Aufgebote
Elite
Nachwuchs

Der WM-Zeitplan
Sonntag, 20. September
9 Uhr: Einzelzeitfahren Frauen Elite, 39,2 Kilometer
12:45 Uhr: Einzelzeitfahren Männer Elite, 39,2 Kilometer

Montag, 21. September
9 Uhr: Einzelzeitfahren Frauen U23, 20,5 Kilometer
12 Uhr: Einzelzeitfahren Männer U23, 31,9 Kilometer

Dienstag, 22. September
8:30 Uhr: Mixed-Staffel, 41,7 Kilometer
12:15 Uhr: Einzelzeitfahren Junioren, 20,5 Kilometer
15:15 Uhr: Einzelzeitfahren Juniorinnen, 10,9 Kilometer

Donnerstag, 24. September
9 Uhr: Straßenrennen Frauen U23, 134,5 Kilometer
13:30 Uhr: Straßenrennen Junioren, 134,5 Kilometer

Freitag, 25. September
9 Uhr: Straßenrennen Männer U23, 174,8 Kilometer
14:15 Uhr: Straßenrennen Juniorinnen, 80,6 Kilometer

Samstag, 26. September
9 Uhr: Straßenrennen Frauen Elite, 180 Kilometer

Sonntag, 27. September
9 Uhr: Straßenrennen Männer Elite, 273,2 Kilometer

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