Doppel-Weltmeisterinnen im Schatten: Radballerinnen Holzer und Wolf peilen den WM-Hattrick an
Danielle Holzer (li.) und Judith Wolf im WM-Spiel 2025 gegen die Schweiz.Foto: Dominic Reichert

In anderthalb Wochen finden die Hallenradsport-Weltmeisterschaften in Ludwigsburg statt. Zum vierten Mal spielen dann auch die Radballerinnen ums Regenbogentrikot. Und obwohl das deutsche Duo Danielle Holzer und Judith Wolf schon in den vergangenen beiden Jahren den Titel holte, steht es bislang kaum im Fokus – doch die beiden sympathischen Sportlerinnen nehmen in einer eigentlich männlich dominierten Sportart eine wichtige Vorbildfunktion ein und haben eine spannende Geschichte zu erzählen.

Sowohl Holzer als auch Wolf spielen seit klein auf Radball. „Ich habe damals angefangen, mit meinem Cousin gemeinsam zu spielen. Wir waren sieben, acht Jahre alt. Wir sind dann als Mannschaft zusammengeblieben und haben viele Jahre zusammen gespielt, bis eigentlich ins letzte Jahr vom Nachwuchs“, erzählt Wolf ihren Werdegang. Auch Holzer war früh dabei: „Ich habe auch so mit sieben, acht Jahren angefangen. Das lief hauptsächlich über meinen Papa, der nach wie vor Trainer ist. Zudem habe ich meinen Bruder Radball spielen sehen und fand es total cool, sodass ich es auch auf jeden Fall machen wollte.“

Von Anfang an mussten sich beide gegen Jungs behaupten und haben gelernt, sich durchzusetzen. „In unserer Anfangszeit war es nicht so gängig, dass Mädchen Radball spielen. Es war eher eine Seltenheit, dass es da ein gemischtes Team gab“, erinnert sich Wolf, kann aber auch berichten, dass sie als Mädchen „nie große Ablehnung gespürt“ hat. In den jüngeren Nachwuchsklassen hielten die Mädchen, die im Radball aktiv waren, immer gut mit den Jungen mit. „Ab der U15 oder U17 hat man dann aber einfach auch von der Kraft her gemerkt, dass die Schere auseinandergeht. Da haben dann viele Mädels aufgehört zu spielen und nur wenige haben im Erwachsenenbereich weitergemacht“, so Holzer. Sie und Wolf, die im Nachwuchsbereich stets gegeneinander gespielt haben, sind aber dabeigeblieben und bilden nun ein erfolgreiches Duo. „Da wir die einzigen zwei Mädels waren, haben wir uns natürlich an den Spieltagen auch unterhalten und gesagt, wenn es irgendwann was nur für Mädels oder Frauen gibt, dann spielen wir auf jeden Fall zusammen.“

Inzwischen hat sich die Situation im Frauen-Radball etwas geändert. Spätestens mit der Einführung der Weltmeisterschaft im Jahr 2023 bleiben immer mehr junge Mädels am Ball. „Merklich viel mehr Mädchen haben jetzt auch angefangen, Radball zu spielen und haben Spaß daran“, so Wolf, die weiter sagt: „Für uns ist natürlich klasse, dass wir da eine gewisse Vorbildfunktion einnehmen können und dass wir eines der ersten Teams sein dürfen, die diese Wettkämpfe spielen.“ Zu den Wettkämpfen gehören neben den Weltmeisterschaften seit dieser Saison auch der Weltcup. Und Holzer meint: „Ich kann mir vorstellen, dass es noch viele Vereine gibt, in denen noch das alteingesessene Denken herrscht, dass es eigentlich nicht so üblich ist, dass Frauen Radball spielen und wo vielleicht noch ein bisschen Überzeugungszeit nötig ist. Aber die WM bietet einfach auch eine große Perspektive. Und das Ansehen vom Frauen-Radball wird mit Sicherheit noch größer werden.“

Dass die beiden weit – über 200 Kilometer – auseinander wohnen, macht das gemeinsame Training nicht einfach, aber sie haben eine Lösung gefunden und können auch auf die Unterstützung ihrer beiden Vereine RKV Hofen (Judith Wolf) und RV Concordia Prechtal (Danielle Holzer) bauen. „Unser gemeinsames Training richtet sich eigentlich nach unseren Spieltagen und privaten Terminen. Wir planen frühzeitig, sodass wir auch genügend Training hinbekommen. Wir versuchen zweimal, manchmal auch dreimal, vorm Spieltag zusammen zu trainieren. Das sind im Jahr etwa zehn Termine, im Moment eher mehr. Und ansonsten haben wir bei mir im Verein in Hofen zweimal in der Woche die Möglichkeit zum Training, und in Prechtal sind es sogar dreimal“, erklärt Wolf. Dabei können beide auch davon profitieren, dass sie in Vereinen spielen, die jeweils relativ gute Männermannschaften haben. „Da kann man sich doch schon mal den ein oder anderen Spielzug abgucken. Und wir trainieren mit ihnen zusammen, was bedeutet, wenn es dann im Zweikampf doch mal ein bisschen härter hergeht, versucht man sich halt auch da zu wehren“, verrät Wolf.

Die beiden 25-jährigen Frauen ergänzen sich auf dem Spielfeld perfekt und sind nicht umsonst derzeit Deutschlands bestes Radball-Duo. „Wir haben beide technisch auf jeden Fall eine gute Ausbildung von unseren Vereinen mitbekommen und können beide gut mit dem Fahrrad umgehen. Wir versuchen es eher über das Spielerische zu regeln, als über die Kraft“, sagt Holzer. Und Wolf ergänzt: „Wir beide spielen mit Köpfchen, sind einfach ein gutes Team und der Spaß steht im Vordergrund.“

Und mit dieser Herangehensweise wollen Danielle Holzer und Judith Wolf den WM-Hattrick schaffen. „Unser Ziel ist ganz klar die Titelverteidigung“, sagt Wolf selbstbewusst. „Aber wir wissen auch, dass es nicht einfach wird. Das hat man beim zweiten Titel schon gemerkt, denn man wird anders beäugt und startet mit einem gewissen Druck“, so Holzer. Als ihre Hauptkonkurrentinnen sehen sie die Schweizerinnen, wissen aber auch, dass die Konkurrenz aus Japan nicht zu unterschätzen ist. „Sie können für einen Überraschungsfaktor sorgen, weshalb wir sie am Freitag genau unter die Lupe nehmen werden.“

Die Weltmeisterschaft, die nach der Absage seitens der Organisatoren im britischen Derby kurzfristig nach Ludwigsburg geholt worden war, beginnt für die Radballerinnen am Freitag, den 30. Oktober, mit den ersten Spielen. Samstag und Sonntag werden die Titelkämpfe fortgesetzt; dabei treffen die Mannschaften in einer Vorrunde jeweils zweimal aufeinander. Die beiden besten Mannschaften der Vorrunde spielen dann am Sonntagnachmittag um den WM-Titel.

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